Was die Materialien, aus denen Sextoys bestehen betrifft, sind die relevanten Informationen rar und die Bezeichnungen manchmal irreführend. Deshalb das Projekt Dildology, dessen Ziel es ist, bei Sextoys das Wahre vom Falschen zu trennen.
Denn ein Sextoy, das behauptet, „aus Silikon” zu sein, darf ungestraft alles Mögliche an Kram enthalten, wenn seine offizielle Beschreibung nicht angibt, dass es aus reinem Silikon besteht. Und um Kontrollen zu entgehen, behaupten manche Marken lieber, „Gadgets” („Novelties”) zu verkaufen, statt Sextoys.
Aber dank der Initiative einiger mutiger Blogger wird sich das vielleicht bald ändern. Dildology.org, eine unabhängige und nicht verbundene Website, bietet an, Sextoys in ein Labor zu schicken, um ihre tatsächliche Zusammensetzung zu bestimmen.
Dildology: Funktionsweise und Finanzierung
Die Ergebnisse der von Dildology durchgeführten Analysen werden alle, ohne Ausnahme, in deren Wiki veröffentlicht. Bisher ist dort ein einziger Test zu finden: der des Vibrators JimmyJane Hello Touch, der sich nach der Analyse tatsächlich als aus reinem Silikon bestehend herausstellt, wie in seiner offiziellen Zusammensetzung angegeben.
Die Zusammensetzung eines Sextoys unabhängig zu überprüfen ist teuer (zwischen 200 und 450 Dollar). Um ihre Unparteilichkeit zu garantieren, wird Dildology keine Werbung enthalten: Die Macher setzen auf Spenden, um ihr mühsames Projekt zum Abschluss zu bringen, dessen Motto lautet „In Dildo Veritas”.
Warum es wichtig ist, die Zusammensetzung von Sextoys zu kennen
Toxische oder allergene Materialien
Manche der verwendeten Materialien sind toxisch, sogar krebserregend. Andere haben keinerlei Studie hinsichtlich ihrer langfristigen Wirkung in einem Sextoy durchlaufen (denn das Produkt wird, grosso modo, mit dem Hinweis verkauft: „Dieses vibrierende phallusförmige Ding, das in einem Sexshop verkauft wird, ist kein Sextoy, macht keine dummen Sachen wie es zu benutzen, zum Beispiel”).
Manche der verwendeten Materialien sind allergen oder reizend, oder werden es mit der Zeit, indem sie sich auflösen. Ich kann das Beispiel eines Jelly-Dildos anführen, der nach einiger Zeit einen scharfen Geschmack angenommen hat (und nein, ich habe nie Pfeffer darauf gestreut). Das passiert aufgrund der Porosität des Materials: Wenn ein poröses Sextoy altert, steigen chemische Verbindungen von innen an die Oberfläche und lagern sich dort ab.
Chemische Reaktionen zwischen Sextoys
Die schlechten Sextoys kämpfen untereinander und greifen auch die guten Sextoys an: Unbekannte Materialien bedeuten unbekannte chemische Reaktionen.

Ergebnis: Sextoys, die schmelzen, und über die anderen herabtröpfeln und sie dabei beschädigen. Ein Massaker.
Zweifel an der Benennung der Materialien
Zu sagen, ein Sextoy sei aus Silikon, soll ein Qualitätsmerkmal sein. Wenn ein Sextoy, das nur einen geringen Silikonanteil enthält, als „aus Silikon” verkauft wird, ist das Warenbetrug.
Der Geruch des Sextoys
Na ja, man bemerkt den Geruch schon, sobald man das Sextoy auspackt. Aber ein Sextoy zu kaufen, das man auf dem Foto attraktiv fand, und schließlich von einem Reifenkautschuk-Geruch so abgeschreckt zu werden, dass man es nach dem Erhalt gar nicht mehr benutzen möchte, ist frustrierend.
Hausgemachte Methoden, um die Ermittlungen zu führen
Das Produkt in ein unabhängiges Labor zu schicken, ist der einzige wirklich zuverlässige Weg, die tatsächliche Zusammensetzung eines Produkts zu bestimmen. Allerdings gibt es auch „hausgemachte” Methoden, um zu versuchen, zu erraten, woraus ein Sextoy besteht.
Der Geruchssinn
Ein Sextoy, der nach dem Auspacken stinkt, ist ein schlechtes Zeichen. Schon für Ihre Nase, die diese Beleidigung ertragen muss. Aber auch, weil es bedeutet, dass das Ding seine Moleküle an jeder Ecke verliert.
Ein Sextoy aus reinem Silikon stinkt nicht. Es kann eventuell einen leichten Geruch haben (nicht unbedingt einen schlechten), wenn es eine Beschichtung aufweist. Aber wenn ein Sextoy Ihre Nase reizt, wenn Sie ihn aus der Verpackung nehmen, handelt es sich absolut nicht um reines Silikon.
Der Flammentest
Da wird es schon heikler. Denn man muss bereit sein, das Sextoy zu opfern, um zu wissen, woraus es besteht.
Der „Flame Test” besteht darin, das Sextoy in die Flamme eines Streichhölzchens oder eines Feuerzeugs zu halten und seine Reaktion zu beobachten. Man sollte besser sicherstellen, dass in der Nähe eine ausreichende Menge kaltes Wasser vorhanden ist, um keinen Brand auszulösen. Zum Beispiel ein gefülltes Waschbecken.
DangerousLilly, eine der Bloggerinnen, die Dildology ins Leben riefen, stützt sich auf Sextoys, deren Material mit Sicherheit bekannt ist, um die Ergebnisse zu ermitteln, die man vom Test in Abhängigkeit von der Zusammensetzung erwarten kann. Manche Marken werden ausreichend von akkreditierten Gremien kontrolliert, sodass man keinen Zweifel an ihnen hat. Das gilt insbesondere für LELO, Tantus, We Vibe, Fun Factory, Je Joue und Jollies.
Im Allgemeinen schmilzt ein Sextoy aus reinem Silikon nicht. Es kann eventuell brennen (aber die Flamme bleibt moderat) und Asche erzeugen. Aber einmal diese Rückstände abgewischt, wird das Sextoy nicht klebrig, es behält seine ursprüngliche Textur. Während ein Sextoy, der nicht aus reinem Silikon besteht, schmilzt oder wie eine Öllampe brennt, mit einer hartnäckigen Flamme, die sich nur schwer löschen lässt.
Dieser Test kann indikativ sein, ist aber nicht unfehlbar. Denn der JimmyJane Hello Touch, der von Dildology.org überprüft wurde, hat den „Flame Test” nicht bestanden. Aber letztlich stellt sich laut dem Labor heraus, dass er aus reinem Silikon besteht. Deshalb die Notwendigkeit, eine Analyse durchzuführen.


