Während der Renaissance war der Gebrauch von Keuschheitsaccessoires, wenn man den Legenden Glauben schenkt, selbstverständlich. Tatsächlich ging es darum, den geliebten Menschen, die Sexsklavin oder den Sexsklaven oder auch das heiratsfähige oder ins Kloster zu schickende junge Mädchen davor zu bewahren, der Ausschweifung zu verfallen. Eine zugegeben ein bisschen barbarische Methode, die einem jedoch Nachwuchs, die Pocken oder irgendeinen auf Sünden oder Beulen beruhenden Kram ersparte.
In Wahrheit haben Keuschheitsgürtel, wie sie in mittelalterlichen Erzählungen beschrieben werden, nie existiert. Die in Museen ausgestellten Exemplare wurden lediglich als frivole Kuriosität zum Ausstellen angefertigt.
Heutzutage lassen sich manche Menschen allerdings freiwillig und in einem viel spielerischeren Kontext ihr bestes Stück in einen Käfig oder einen Keuschheitsgürtel sperren.
Manche werden sich trotzdem fragen: Warum, oh warum sollte man ein Sexspielzeug benutzen, das einen nicht nur nicht kommen lässt, sondern einen auch noch am Kommen hindert?
Das fragliche Equipment
Keuschheitsaccessoires für Madame
Das Gerät, das „Keuschheitsgürtel“ genannt wird, hat üblicherweise die Form eines Gürtels (eigentlich eher eine Mischung aus Gürtel und Slip), aus Leder oder Metall, mit einem zusätzlichen Teil im Schritt, das den Zugang zum Schambereich versperrt und jede Art von Liebkosungen oder vaginaler Penetration verhindert. Je nach Modell bleibt der Zugang zum Anus frei oder nicht.
Keuschheitsaccessoires für Monsieur
Den Keuschheitsgürtel gibt es auch in einer Version für Männer. Die Form des Teils, das den Zugang zum Geschlecht blockieren soll, ist leicht anders, damit alles hineinpasst, was hervorsteht, aber das Prinzip ist dasselbe.
Es gibt auch Keuschheitskäfige, die weniger sperrig (und daher weniger beeindruckend) und günstiger sind. Diese „Peniskäfige“ aus Leder, Metall oder Kunststoff werden um den Penis befestigt, um eine Erektion zu verhindern oder einzuschränken.
Die verschiedenen Einsatzmöglichkeiten von Keuschheitsvorrichtungen
Grob zusammengefasst gibt es zwei verschiedene Einsatzmöglichkeiten für Keuschheitsvorrichtungen:
Kurze Nutzung zum Spielen
Im Rahmen eines Sexspiels, das auf vorübergehender Frustration beruht und die Lust steigern soll. Üblicherweise nimmt man das Bondage-Accessoire vor Ende des Spiels ab, damit der Partner, der die Einschränkung durch das Gerät ertragen musste, kommen kann.
Dauerhafte oder langfristige Nutzung
Ich dachte nicht, dass diese Praxis heutzutage Anhänger hat. Oder zumindest nicht in der echten Welt. Sich mit Keuschheitsgürtel den Hintern zu waschen oder auf die Toilette zu gehen, dürfte kein Vergnügen sein. Und ich wage mir gar nicht vorzustellen, wie unbequem das sein muss, wie sehr man sich unter dem Gürtel kratzen möchte und wie nervig das auf Dauer ist. Ganz zu schweigen von den Reizungen durch Reibung und dem Risiko von Harnwegsinfektionen, weil es schwierig ist, eine Vorrichtung zu reinigen, durch die, wenn sie ständig getragen wird, regelmäßig Urin fließt. Tatsächlich kann die Trägerin urinieren, ohne die Vorrichtung abzunehmen (auch wenn das ein bisschen eklig ist). Je nach Form des Gürtels kann sie sogar Stuhlgang haben, sofern sie sich direkt danach wäscht (aber ich stelle mir die Szene lieber nicht vor).
Aber Doctissimo hat mich vom Gegenteil überzeugt (siehe auch hier). Es scheint, dass trotz all der zuvor erwähnten Nachteile (die offenbar tatsächlich bestehen, wenn man dieser FAQ für Menschen, die dauerhaft Keuschheitsvorrichtungen tragen und dem Bericht eines Keuschheitskäfig-Trägers Glauben schenkt), zu denen noch die Angst vor dem Verzicht kommt (so viel dazu, dass Masturbation ein Grundbedürfnis ist, auf das man nur schwer verzichten kann), einige Fetischisten in sehr ausgeprägten Dominanz-Unterwerfungs-Beziehungen (aber auch ein paar Gläubige, die der Sünde der Masturbation widerstehen wollen!!!) Keuschheitsvorrichtungen im Alltag tragen.
Die Nutzung, die uns interessiert
Ihr habt es sicher schon verstanden: Uns kommt nicht in die Tüte, uns den Pimmel für längere Zeit in einer eigens dafür vorgesehenen Vorrichtung einsperren zu lassen, also wirklich!
Die spielerischen Möglichkeiten, die ein Keuschheitskäfig im Rahmen eines soften BDSM-Spiels bietet, behalten wir aber durchaus im Hinterkopf.
Keuschheitskäfige „für Anfänger“, die ausschließlich für kurze Tragezeiten gedacht sind, kosten nicht viel. Man bekommt sie problemlos in einem Online-Sexshop, sofern dieser eine gute Auswahl an Fetisch-/BDSM-Accessoires hat. Wir haben unseren bei Dèmonia gekauft, ein schlichtes Modell aus Leder mit Metallringen (auf dem Bild am Anfang des Artikels). An Auswahl mangelt es dem Shop in diesem Bereich nicht.
Meine Meinung zum Keuschheitskäfig (Sie)
Nach einem gründlichen Test des Objekts (natürlich aus rein wissenschaftlichem Interesse) hier die Ergebnisse des Experiments:
- Die Erektion des Partners zu kontrollieren und zu entscheiden, wann er seinen Penis benutzen darf, ist lustig.
- Man kann das ausnutzen: Cunnis nach Lust und Laune verlangen oder ihn brav warten lassen, während man überprüft, ob die eigene Vibratorensammlung funktioniert, und so weiter …
- Das Ganze sieht hübsch aus und passt zu den Handschellen und anderen Lederaccessoires.
- (Informationen aus seinem Bericht): Sobald der Pimmelkäfig abgenommen ist, ist der Penis empfindlicher. Kurz gesagt: Er (der Mensch, nicht der Penis) genießt die anschließenden Liebkosungen mehr. Allerdings scheint sich das Tragen des Objekts körperlich ziemlich seltsam und ungewohnt anzufühlen. Kein Grund, ein Drama daraus zu machen, aber eben doch irgendwie zu seltsam, um es allzu oft auszuprobieren. Kurz gesagt: Er kann euch dazu wahrscheinlich mehr sagen als ich.
Fazit aus dem Labor: Der Keuschheitskäfig ist ein lustiges Accessoire, mit dem man es nicht übertreiben sollte, das aber in einer gut ausgestatteten Auswahl an eher soften BDSM-Accessoires seinen Platz durchaus findet (auch wenn man keinen passenden Kerker hat).
Meine Meinung zum Keuschheitskäfig (Er)
Na ja, wenn der „Pimmelkäfig“ zum Einsatz kommt, trage ich ihn, also gebe ich auch noch meinen Senf dazu!
Wir sind keine großen BDSM-Fetischisten, wir mögen einfach Abwechslung bei den Settings und Spielarten und schlüpfen je nach Gelegenheit und Stimmung ab und zu in die Rolle des Sklaven oder des Meisters. In diesem Rahmen benutzen wir unser Keuschheitsaccessoire, also nicht wie die „echten“!
Trotzdem ist es ein sehr lustiges Accessoire, und auch wenn ich gerne komme (zum Glück!), mag ich dieses besondere Gefühl der Frustration, das noch verstärkt, wie sehr ich meiner Herrin ausgeliefert bin! Euer Orgasmus wird dann von eurer Herrin kontrolliert und nicht mehr von euch, und während des Spiels seid ihr auf eine Art Sexobjekt reduziert, ohne eigenes Vergnügen.
Kurz gesagt: Ich würde es jedem Paar empfehlen, das sich schon ein bisschen an Fetischspielen versucht. Man muss kein perverser Sadomasochist sein, um das mal für einen Abend auszuprobieren!

