Womanizer Premium Eco: Öko-Sextoy oder Greenwashing?

Womanizer Premium Eco: Öko-Sextoy oder Greenwashing?

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Die Marke Womanizer präsentiert den Premium Eco, ein „Öko-Sextoy“. Eine Indiegogo-Crowdfunding-Kampagne, die das Gerät auf den Markt bringen soll, startete im März und hat ihr ursprüngliches Ziel deutlich übertroffen. Unter anderem soll das Gehäuse des Womanizer Premium Eco aus „Biolene“ bestehen, einem biologisch abbaubaren Material, das den Kunststoff des ursprünglichen Modells ersetzt.

Womanizer Premium Eco: Öko-Sextoy oder Greenwashing?

Aber steckt hinter dieser Initiative tatsächlich der Wunsch, die Umwelt zu schützen? Oder ist das bloß ein Versuch, Greenwashing zu betreiben? Die Frage ist durchaus berechtigt.

Der Womanizer One: eine umweltfeindliche Marketingaktion

Bevor Womanizer plötzlich verkündete, es sei an der Zeit, mit den Bäumen Liebe zu machen, gehörte die Marke in Sachen Ökologie eher zu den schwarzen Schafen.

Tatsächlich hatte sie im vergangenen Oktober den Womanizer One herausgebracht, ein Wegwerf-Sextoy. Dieser pulsierende Luft-Klitorisstimulator kann 30 Minuten lang funktionieren, bevor er endgültig und unwiderruflich den Geist aufgibt, sobald der Akku leer ist. Geplante Obsoleszenz bis zum Äußersten.

Einige Shops beschlossen daraufhin, das Gerät als Geschenk zu Bestellungen dazuzulegen, während andere es lieber als „Versuchskaninchen“ verkauften, mit dem man herausfinden kann, ob einem die Empfindungen eines Womanizers gefallen, bevor man mehr Geld für einen Kauf ausgibt.

Sein Konkurrent Satisfyer wollte natürlich nicht nachstehen und konterte sofort mit dem One Night Stand, einem ebenso kurzlebigen Spielzeug.

Diese fragwürdige Marketingaktion wurde eher eisig aufgenommen. Angesichts der vielen tragischen Folgen des Klimawandels und der Umweltverschmutzung wird es schließlich nicht mehr gern gesehen, einfach so jede Menge Plastik wegzuwerfen. Während Marken immer mehr Aufwand betreiben, um sich mit groß angelegten Kommunikationskampagnen ein möglichst grünes Image zu verpassen – und dabei auch vor Heuchelei nicht zurückschrecken –, wie konnten Womanizer und Satisfyer einen solchen Flop nicht vorhersehen?

Außerdem beweist die Marke mit dem Womanizer One, dass sie durchaus ein Modell für kleinere Budgets auf den Markt bringen könnte, wenn sie wollte. Sie entscheidet sich aber dagegen und legt ein Gerät lahm, das ein durchaus brauchbares Sextoy hätte sein können, wenn man es nicht dazu verdammt hätte, nach einer lächerlich kurzen Nutzungsdauer den Geist aufzugeben. Man könnte die Botschaft dahinter als „Fickt die Armen, wir zerstören lieber unser Produkt, als es euch günstig zu überlassen“ verstehen.

Ein Pluspunkt dieser Wegwerf-Sextoys ist immerhin, dass sie Bastlerinnen und Bastlern etwas zu tun geben, die bestimmt einen Weg finden, sie viel länger als vorgesehen am Laufen zu halten. Für den Satisfyer One Night Stand sind Anleitungen zum Zerlegen schon seit Ewigkeiten auf Youtube zu finden.

Was macht den Womanizer Premium Eco umweltfreundlich?

Mit dem Womanizer Premium Eco versucht die Marke also, ihr Öko-Image aufzupolieren. Dieses Sextoy soll dem Womanizer Premium fast vollständig gleichen (der tatsächlich ordentlich abliefert, ihr werdet bei den Empfindungen also vermutlich nicht enttäuscht sein), nur eben in einer umweltfreundlichen Version.

Aber was genau macht den Womanizer Premium Eco umweltfreundlich? Schauen wir uns die Produktpräsentation einmal genauer an.

Spenden an eine Wohltätigkeitsorganisation

Die Marke verpflichtet sich, für jeden gekauften Womanizer Premium Eco einen Baum zu pflanzen und den gesamten Erlös aus der Indiegogo-Kampagne (abzüglich der Plattformgebühren und Steuern) an „One Tree Planted“ zu spenden, eine Wohltätigkeitsorganisation, die Bäume pflanzt.

Genauer gesagt sollen die Einnahmen einer Kooperative ruandischer Frauen zugutekommen, die versuchen, ihre Böden wiederzubeleben und nachhaltige Landwirtschaft aufzubauen. Nun, dazu gibt es nichts zu sagen: Das ist zweifellos eine gute Sache.

Trotzdem kann ich nicht umhin, mich zu fragen, wie hoch die Spendensumme wohl ist. Das ursprüngliche Ziel liegt bei 16.805 Euro, und als ich mir die Seite ansehe, beträgt die Summe bereits 21.559 Euro. Davon gehen natürlich noch Steuern und der Anteil der Plattform ab. Für uns klingt das nach viel. Aber ist es für Womanizer wirklich eine große Summe? Womanizer gehört zur Wowtech-Gruppe, zu der auch die Marken Arcwave, We Vibe, Romp und Attivia gehören. Die Marke macht keinen Hehl daraus: 2020 erreichte der Umsatz der Gruppe 100 Millionen Euro.

Ein biologisch abbaubares Material: Biolene

Für den Womanizer Premium Eco hat die Marke ABS-Kunststoff durch Biolene ersetzt. Dieses Material ist biologisch abbaubar (und zwar unter industriellen Bedingungen, wie sie natürlich betonen – das Gerät zersetzt sich schließlich nicht von selbst) und wird aus erneuerbaren Rohstoffen hergestellt, vor allem aus Maismehl. Auch das ist an sich eine gute Sache.

Aber ist das wirklich so innovativ? Zum Beispiel wird PLA, also Polymilchsäure, aus der Filamente für 3D-Drucker bestehen, ebenfalls aus Maisstärke gewonnen und ist auch biologisch abbaubar. Und es ist bei Weitem nicht der einzige Biokunststoff.

Allerdings werden biologisch abbaubare Materialien in der Sexspielzeugindustrie tatsächlich nicht häufig eingesetzt. Hoffen wir, dass es eine Welle auslöst, wenn eine der bekanntesten Marken damit anfängt.

Öko-Vibratoren? Was ist mit den Vorgängern?

Nun, man muss zugeben, dass die verschiedenen PR-Aktionen, mit denen man uns angeblich umweltfreundliche Sextoys andrehen wollte, bisher auch nicht wirklich ausgefeilter waren.

Wenn von einem „Öko-Sextoy“ die Rede ist, meint man oft eigentlich einen „Öko-Vibrator“. Ansonsten schaut euch die Holzdildos von Idée du Désir oder Bobtoys an – und eure Suche endet sofort mit der Entdeckung des Grals.

Vor etwas mehr als zehn Jahren kam der Earth Angel auf den Markt, ein irisches Sextoy, das wahrscheinlich das aufrichtigste von allen war. Aber fairerweise muss man sagen: Das Gerät, ein starrer Vibrator, der sich mit einer Handkurbel aufladen ließ und nicht gerade viel hermachte, war wirklich nicht besonders verlockend.

Earth Angel, ein umweltfreundlicher Handkurbel-Sextoy

Danach, nun ja … ging es drunter und drüber.

2017 pries die Marke Blush Novelties die Herstellung des ersten biologisch abbaubaren Sextoys an: des Gaia Eco Vibrator. Da dieses allerdings mit Batterien lief, war das Ganze eher ein schlechter Witz.

Gaia – Öko-Vibro

Ansonsten wird mit Öko-Ansprüchen nur so um sich geworfen, aber in der Presse werden „umweltfreundlich“ und „gesund für den Körper“ oft verwechselt. Beides ist zwar wichtig, hängt aber nicht zwangsläufig miteinander zusammen.

Leicht zu zerlegen

Der Womanizer Premium Eco lässt sich leicht auseinandernehmen. Das muss sich zwar erst noch zeigen, aber die Idee ist cool. Vorausgesetzt, Besitzerinnen eines Womanizer Premium Eco können dadurch ihr Gerät selbst reparieren, indem sie nur das defekte Teil austauschen.

Plant die Marke, Ersatzteile auf den Markt zu bringen? Zunächst einmal erwähnt sie nichts, was darauf hindeutet, sondern stellt lediglich fest, dass das Recycling dadurch einfacher wird. Wenn es sich aber um gewöhnliche elektronische Bauteile handelt, spricht nichts dagegen, sie anderswo zu besorgen. Das ist also vermutlich eher positiv.

Ein kürzeres Ladekabel

Angeblich, um Verschwendung zu vermeiden, aber äh … bitte was? Ist diese Sache mit dem Kabel nicht eher schlichte Knausrigkeit?

Normalerweise kauft man ein Sextoy (oder irgendein anderes Gerät) mit Ladekabel nicht, um das Kabel sofort nach Erhalt in den Müll zu werfen. Und wenn die Steckdose zu weit entfernt ist, rückt sie dadurch nicht näher, dass die Marke euch ein zu kurzes Kabel mitgegeben hat. Im besten Fall findet ihr euch damit ab, das Sextoy während des Ladens neben der Steckdose auf den Boden zu legen. Im schlimmsten Fall geht es euch tierisch auf den Sack und ihr beschließt, bei Amazon ein neues Kabel zu kaufen. Na, das ist ja mal eine Öko-Initiative.

Eine umweltfreundliche Verpackung

Die Verpackung des Womanizer Premium Eco enthält keinen Kunststoff, und seine Aufbewahrungstasche besteht aus Bio-Baumwolle aus ethischer Herkunft.

Auch das ist alles sehr schön. Aber wenn der Umwelt der Marke wirklich wichtig ist, warum wendet sie diesen Ansatz dann nicht auf all ihre Produkte an? Hat sich schon einmal eine Käuferin (oder Testerin) über zu wenig Plastik in einer Verpackung beschwert?

Man muss anmerken, dass Womanizer (wie leider die meisten Sextoy-Marken) weiterhin alle seine Produkte herstellen lässt – auch den Premium Eco, vermutlich, obwohl es in der Indiegogo-Kampagne für den Vibrator nicht ausdrücklich steht – in China. Öko und humanitär vielleicht, aber nicht gerade konsequent. Wird über den CO₂-Fußabdruck des Produkts gesprochen? Über die Arbeitsbedingungen der Menschen, die es herstellen und deren Arbeitsbedingungen wir nicht kennen?

Kurz gesagt: Die Initiative ist gut, aber sie reicht nicht weit genug. Das wirkt eher wie ein PR-Gag mit Greenwashing-Anstrich von Womanizer als wie der ernsthafte Versuch, die Produkte auf ein umweltfreundlicheres Modell umzustellen. Hoffen wir trotzdem, dass es den anderen Marken gute Ideen liefert.

 

Acheter chez Womanizer 

Collectionneuse compulsive de sextoys dont la collection prend désormais plus de place que ma garde-robe, je teste chaque accessoire coquin avec une exigence sans faille.

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