Sehr oft findet man auf Swinger-Seiten – wie übrigens auch auf ganz normalen Dating-Seiten – ein Sammelsurium aus Werbung und Zeug, das dich davon überzeugen soll, dass dein Charisma mit einem kostenpflichtigen Abo durch die Decke geht.
Und Fakes, die dich dazu bringen sollen, zu bezahlen dich anzumelden. Nehmen wir AdultFriendFinder, eine bekannte Dating-Seite für Erwachsene: Dort habe ich mir die Profile angesehen, die nicht angemeldeten Besuchern auf der ersten Seite angezeigt wurden. Sie sollten hübschen jungen Frauen oder süßen Paaren gehören, die ganz in meiner Nähe wohnen. Nachdem ich mich eingeloggt hatte, habe ich nach ihren Nicknames gesucht, um das zu überprüfen. Das Ergebnis:
- Bei sechs Profilen führte meine Suche zu folgender Meldung: “Das gesuchte Mitglied war in Werbeanzeigen zu sehen. Wegen der enormen Zahl an Antworten, die es erhalten hat, haben wir seinen Nickname geändert. Hier sind jedoch sehr ähnliche Mitglieder.”
- Bei den anderen drei erfahre ich, dass sich hinter zwei charmanten, 27-jährigen Paaren aus der Nähe in Wirklichkeit ein 36-jähriger Argentinier und ein 48-jähriger Venezolaner verbergen, die sich seit Ewigkeiten nicht mehr eingeloggt haben. Und die hübsche Brünette von 23? Ein Texaner von 50.
Aber na ja, das erzähle ich euch wahrscheinlich nichts Neues.
Wenn du dich angemeldet hast, weil du dich auf den ersten Blick in die hübsche Brünette verliebt hast, die vielleicht deine Nachbarin gewesen wäre – bis du ihren Schnurrbart und ihre Cowboy-Stimme entdeckt hast –, sei nicht traurig. Wenn du erst einmal angemeldet bist, kannst du auf richtig nette Leute treffen. Der Beweis:
Der Penis-Mann, ein Klassiker auf Swinger-Seiten
Der Penis-Mann ist ein ziemlich häufiges Phänomen, auf Swinger-Seiten genauso wie in vielen Ecken des Internets. Seine Besonderheit: Sein Profilbild ist ein Schwanz. Seiner, der eines Pornodarstellers oder vielleicht der seines Nachbarn – wer weiß? “Ich bin ein Schwanz, also bin ich”: Ist das etwa ein Ausdruck phallischer cartesianischer Denkweise?
Seine Nachricht ist meistens kurz, aber nicht unbedingt eine Katastrophe. Das Problem liegt allerdings bei seinem Foto.
Klar, es kann ratsam sein, sein Gesicht nicht auf einer Seite zu zeigen, die irgendwas mit Ficken zu tun hat. Denn dein Nachbar oder Tante Hortense könnten dich erkennen, wenn sie dir dort über den Weg laufen. Aber na ja, als Profilbild gibt es jede Menge originellere Sachen als einen Schwanz. Keine Ahnung, eine Landschaft, ein linkes Ohr, ein süßes Kaninchen … Denn, also …
Wenn dich zum 1000sten Mal ein Pimmel in Großaufnahme anschreibt, hast du selten Lust, ihm zu antworten – selbst wenn es ein fröhlicher, freundlicher Pimmel ist.
Und falls der Typ etwas Interessantes geschrieben hat, ist es nicht gerade einfach, ihn wiederzufinden.
“Wir haben eine supercoole Nachricht bekommen!
– Ach ja? Welche denn?
– Die mit einem Pimmel als Avatar …
– Äh …”
Wenn man bedenkt, dass Pimmel ungefähr 75 % der Profilfotos der Leute ausmachen, die dir schreiben (Schwänze sind gesprächig), viel Spaß beim Suchen des Richtigen …
Hey, Fräulein!.. Ach, ihr seid zu zweit?
– “Hey, du bist geil, hättest du Bock, dass wir ficken?” “Hallo, ich finde dich sehr hübsch, hättest du Lust, mit mir zu schlafen?”
Äh, ja, aber nein, wir sind zu zweit. Es ist nicht gerade höflich, so zu tun, als würdest du nur eine Person ansprechen. In unserem Profil steht doch eigentlich überall “Paar”, und wir sagen “wir”. Vielleicht ein Sehproblem?
– “Joa sry aba hättste Bock dass wa uns kenna lern? Hab nen großen Schwanz, 20 cm” “Tut mir leid wegen des Missverständnisses, aber das muss uns ja nicht davon abhalten, uns kennenzulernen! Möchtest du meinen Penis sehen? Er ist zwanzig Zentimeter lang.”
Da fragst du dich, ob der Typ wirklich so ein Vollidiot ist oder ob er absichtlich versucht, sich einzureden, dass er eine rattige junge Frau anschreibt, obwohl ihm doch der Typ antwortet. Und ob er inzwischen nicht an einem Stromschlag gestorben ist, den Penis in einer Steckdose, nachdem er diese in einem unachtsamen Moment für einen einwilligenden Partner gehalten hat.
Dieses Exemplar ist ziemlich häufig. Hier ein originelleres, gerade erst bekommen.
– “Wer macht alle Fotos von dir auf deinem Profil? Bist du ein Model?” “Wer macht all die Fotos von dir auf deinem Profil? Bist du ein Model / ein Fotomodell / ein naives junges Mädchen mit Modelambitionen, dem ich meine Dienste als professioneller Erotikfotograf in meinem Schlafzimmer anbieten könnte (und meinen Schwanz, denn ganz ehrlich, auf diesen Fotos fehlt mein Schwanz …)?
Na ja, noch einmal: Überall steht Paar, auf manchen Fotos sind wir zu zweit, auf anderen sieht man nur mich … Rätselhaft … Wer könnte wohl hinter der Kamera stehen? Ein Hinweis: Vielleicht ist es Teddy, der nette Bär?
Die grottige Copy-Paste-Textwand
Mensch, das Wort habe ich ja ewig nicht mehr benutzt. “Grottig”. In diesem Zusammenhang ist es aber genau der richtige Ausdruck.
12358 Zeichen. Ohne Zeilenumbruch.
Wenn du den Mut hast, diese Nachricht zu lesen, deren Rechtschreibung ein bisschen wehtut und die du auf einer Swinger-Seite bekommen hast, erfährst du:
- Auch dieser Herr hat nicht kapiert, dass er mehrere Leute anspricht. Er redet mit der Dame und hofft fest darauf, dass sie sich beim Gedanken an ihn und sein gewaltiges Fantasiepotenzial hingebungsvoll an ihrer Muschi herumspielt.
- Aus seiner Sicht seid ihr schon intim: Tja, in seinem Text hast du ihm um 12:48 Uhr sogar sorgfältig den Hintern eingeseift. Ja, weißt du, kurz bevor er anfängt, deine schmutzige Unterwäsche zu zerkauen, während du ihn ungläubig ansiehst. Man hätte doch erst mal Hallo sagen können, Monsieur!
In dem Werk gibt es immerhin nicht weniger als 35 Vorkommen des Wortes “Anus”: Unserem obszönen Roboter macht er damit ordentlich Konkurrenz!
Herr Wiederholungstäter oder der lebende Spam auf Swinger-Seiten
Es handelt sich um einen Mann, der mindestens zwanzig Jahre älter ist als wir. Sein Profilbild zeigt einen prächtigen Bierbauch, über dem ein kleines, freiliegendes Schwänzchen hervorlugt, das merkwürdig nach links hängt. Ich zweifle kein bisschen daran, dass dieser Mann jede Menge äußerst reizvolle Vorzüge hat … Aber wenn es darum geht, im Internet Leute kennenzulernen, setzt er sie nicht gerade gut in Szene.
Mittwoch: “Hi ich bin xxxxxxxx, wenn euch das passt bin ich gern euer Sexobjekt ich hör auf meine Partner wenn ich euch gefalle hinterlasst mir eine Nachricht ich ruf euch zurück Kuss. 0657xxxxxx”
Bei solch schöner Prosa haben wir uns zurückhalten können und nicht sofort geantwortet. Macht ja nichts!
Donnerstag: “Wenn du Sex willst komm ich euch besuchen Kuss”
Freitag: “Wenn du Lust auf eine Runde Sex hast ruf mich an 0657xxxxxx ich bin xxxxxxxx”
Na bitte, jetzt hat Herr Wiederholungstäter auch vergessen, dass wir zu zweit sind.
Samstag: “Hi ich suche Sex ohne Stress wenn du Lust hast ruf mich an 0657xxxxxx.”
Neugierig geworden durch so viel Beharrlichkeit, habe ich mir sein Profil angesehen. Dabei erfahre ich, dass er sich erst vor etwa zehn Tagen angemeldet hat. Na ja, vielleicht hat er sich angemeldet, nachdem er auf eine Werbung geklickt hat, die ihm erzählte, die Seite sei voll mit heißen Frauen und knusprig, mit einem guten Geschmack nach schmelzendem Karamell wie die Glut, die verzweifelt nach Schwänzen in deiner Nähe suchen, um heute Abend zu ficken.
Zum Glück gibt es auf Swinger-Seiten auch höfliche Mitglieder
Aber zum Glück findet man unter denen, mit denen man weder Sex haben noch philosophische Debatten führen möchte, auch …
Den knuffigen alten, klischeehaft besessenen Japaner, der nur Japanisch spricht und in Dauerschleife wiederholt: “Ich liebe dich, ich will deinen Arsch für immer lecken” (ja, schon speziell, aber ich kann mir vorstellen, dass er mit Google Übersetzer sein Bestes gegeben hat. Jedenfalls bringt es einen zum Schmunzeln).
Den lebensfrohen, etwas älteren Herrn, der dir, wenn du seinen Vorschlag ablehnst (höflich, weil er selbst höflich ist), ganz viel Glück wünscht und seine Mail mit den Worten beendet: “Gönnt euch was und seid glücklich, Kinder”.
Die sind toll. Und viele andere auch.
