Wie wählt man ein Sextoy aus? Durchs Testen von Sextoys bekommen wir nach und nach einige zu Gesicht. Und je mehr wir davon sehen, desto mehr halten wir ein paar Punkte und Tipps fest, die uns im Gedächtnis bleiben …
Ich möchte euch deshalb – ohne gleich einen Ratgeber daraus zu machen – ein paar Punkte nennen, die ihr beim Kauf eines Sextoys beachten solltet. Manche davon sind offensichtlich, andere vielleicht nicht:
Ein Sextoy auswählen: das Material
Weiche Materialien
Silikon
Bei einem klassischen Vibrator empfehle ich euch, ein Sextoy aus Silikon zu wählen. Vor allem, wenn ihr etwas eher Weiches oder Flexibles sucht.
Der Touch von We Vibe aus weichem Silikon.
Es fühlt sich sehr angenehm an, ist geruchlos und gesundheitlich unbedenklich. Auch wenn sie oft teurer sind als erotische Spielzeuge aus dem Billigsegment, gibt es durchaus erschwingliche Vibratoren aus Silikon.
Silikon gibt es in vielen verschiedenen Ausführungen und mit ganz unterschiedlichen Texturen. Es ist sowohl sehr weich als auch in einer festen Variante erhältlich.
Der Tango von We Vibe aus hartem Silikon.
Allerdings aufgepasst: Manche Sextoys, die als „aus Silikon“ verkauft werden, bestehen nicht aus reinem Silikon. Sie enthalten einen ausreichend hohen Silikonanteil, damit der Hersteller sie als Silikonprodukte bezeichnen darf (?), aber das sagt uns überhaupt nichts über die restlichen Bestandteile.
Wenn ihr sicher sein wollt, was ihr kauft, achtet darauf, dass irgendwo „Silikon in medizinischer Qualität“ oder „100 % Silikon“ steht.
Jelly: lieber vermeiden
Von Sextoys aus „Jelly“ solltet ihr lieber die Finger lassen. Und zwar aus mehreren Gründen.
Zunächst einmal gibt es das Problem mit den Phthalaten, giftigen Stoffen, die in vielen Kunststoffen vorkommen – unter anderem auch in manchen Sextoys aus Jelly.
Und selbst wenn sie phthalatfrei sind, können Sextoys aus Jelly noch andere Stoffe enthalten, die mehr oder weniger gesundheitsschädlich sind. Nichts Dramatisches: In unseren Lebensmitteln, Farben, der Luft in unseren Städten und so weiter steckt ja auch aller möglicher Mist … Aber wenn man die Wahl hat und Silikon außerdem so weich und angenehm ist – warum sollte man sie dann nehmen?
Außerdem ist „Jelly“ oft ein poröses Material, aus dem ziemlich unberechenbare, möglicherweise allergieauslösende Gase austreten können. Und die womöglich übel riechen (mit deutlichem Plastikgeruch).
Und als wäre das nicht genug, zersetzen sich Sextoys aus Jelly mit der Zeit: Sie werden gelb, schmelzen, zerbröseln und so weiter. Das alles passiert aufgrund chemischer Reaktionen im Material selbst oder durch den Kontakt mit anderen Gegenständen.
Zwei Jelly-Sextoys, ein paar Jahre alt: Die haben ganz schön was mitgemacht.
Falls ihr euch aus Budgetgründen zum Beispiel trotzdem für ein Sextoy aus Jelly entscheiden wollt – oder bereits eines besitzt, an dem ihr so hängt, dass ihr euch nicht davon trennen könnt –, zieht ihm am besten ein Kondom über, um die Nachteile möglichst gering zu halten. Und reinigt es mit Wasser und Seife vor jeder Verwendung: Die Verunreinigungen im Material wandern nach und nach an die Oberfläche und sammeln sich zwischen den Anwendungen dort an. Durchs Reinigen lässt sich ein Teil davon entfernen.
Latex
Latex war lange Zeit einer der am häufigsten verwendeten Werkstoffe bei der Herstellung von Sextoys. Auch wenn Silikon ihm inzwischen den Rang abgelaufen hat, findet man in Sexshops noch immer jede Menge Latex-Accessoires.
Latex hat mehrere Nachteile:
- Latex ist ein poröses Material und lässt sich deshalb nicht vollständig desinfizieren. Außerdem bekommt es leicht Flecken, und wenn es einmal fleckig ist, lässt sich nichts mehr retten.
- Latexallergien sind weit verbreitet.
- Sextoys aus Latex sind nicht besonders „gleitfähig“, und die Reibung kann zu Reizungen führen.
Wie Sextoys „aus Silikon“ bestehen auch Sextoys „aus Latex“ nicht immer aus reinem Latex.
Harte Materialien
Bei den festeren Sextoys gibt es außerdem Materialien, an die man seltener denkt, die aber ziemlich unkompliziert und unbedenklich sind: Holz, Keramik, Glas, Metall …
Holz
Viele Sextoys aus Holz werden in Handarbeit hergestellt. Sie werden glatt geschliffen und mit einem hypoallergenen Lack versiegelt, der sie wasserdicht macht.
Holzdildos: Nobessence Fling, Orchidée Double von Idée du Désir, Nobessence Seduction und Orchidée von Idée du Désir.
So behandeltes Holz braucht nur wenig Pflege. Ein Sextoy aus Holz kann sehr lange halten: Es nutzt sich nicht ab – solange ihr es vor Stößen und Kratzern schützt. Auch wenn chemische Reaktionen ihm nichts anhaben können, solltet ihr es nicht einfach lose in einer Schublade herumliegen lassen. Ein einfacher Stoffbeutel reicht aber schon, um es zu schützen.
Die Maserung des Holzes bildet Muster, die jedes Sextoy aus Holz einzigartig machen und es von anderen Exemplaren desselben Modells unterscheiden.
Edelstahl
Sextoys aus Edelstahl haben viele Vorteile:
- Das Metall, aus dem sie bestehen, macht sie nahezu unzerstörbar.
- Sie können bei Kontakt mit anderen Materialien keine chemischen Reaktionen eingehen. Daher vertragen sie sich mit jedem beliebigen Gleitmittel und lassen sich leicht reinigen.
- Sie sind hypoallergen und für den Körper unbedenklich.
- Da Stahl Wärme gut leitet, eignen sie sich besonders gut für Temperaturspiele.
Sextoys aus Stahl: Njoy Fun Wand und Pure Plug, Pipedream Mr Smooth und Rosebuds Cristal.
Glas
Natürlich ist Glas zerbrechlich und kann bei Stößen zu Bruch gehen. Ein gut verarbeitetes Sextoy aus Glas ist jedoch robust genug, dass es nicht in euch zerbrechen kann – ganz gleich, wie stark eure Muskeln beim Orgasmus kontrahieren.
Solange niemand es auf den Boden fallen lässt, hält ein Sextoy aus Glas extrem lange. Es nutzt sich nämlich nicht ab und geht keine chemischen Reaktionen ein. Wie Edelstahl ist es ein körperverträgliches Material, das sich bei Bedarf sterilisieren lässt.
Ein Sextoy aus Glas: der Glassvibrations Teufelszunge
Ein Sextoy auswählen: die Vibrationen
Bei vaginaler Verwendung ist das nicht immer der wichtigste Punkt.
Bei einer klitoralen Anwendung wird es dagegen wichtiger, und der Rat ist ganz einfach: Sucht nach den stärksten Vibrationen.
Leider gibt es keine rosa Einhörner, und mit den stärksten Vibrationen gehen oft ein paar Kompromisse einher: Das Gerät ist meist lauter, braucht manchmal größere oder längere Batterien und so weiter …
Erwartet auch keine Monster-Vibrationen von einem kleinen, diskreten Sextoy: So etwas gibt es eigentlich nicht. Aber manche schneiden für ihre Größe und Unauffälligkeit trotzdem ziemlich gut ab.
„Luxus“-Sextoys
Natürlich sind sogenannte „Luxus“-Sextoys im Allgemeinen in vielerlei Hinsicht oft besser: höhere Qualität, mitgeliefertes Zubehör und so weiter. Beim Kauf ist trotzdem Vorsicht geboten, denn nicht alle sind auf demselben „Luxus“-Niveau – auch wenn es manchmal so aussieht und der Preis hoch ist.
Apropos „Luxus“-Sextoys: Hier sind zwei praktische Vorteile, die man bei ihnen oft findet:
Tasche / Box
Klingt vielleicht banal, aber was macht ihr mit eurem Sextoy, wenn ihr nichts habt, worin ihr es verstauen könnt? Umso mehr, wenn es aus einem Material besteht, das sich nicht mit allen Kunststoffen verträgt!
Das LELO MIA 2 mit Box und Etui
Manche Sextoys werden mit einem kleinen Aufbewahrungsbeutel geliefert, andere mit einer Box, und manchmal bekommt man sogar beides. Das ist praktisch, sieht schick aus und erspart einem den Kopfzerbrecher, wo man das Ding unterbringen soll.
Falls keine Aufbewahrungsmöglichkeit mitgeliefert wird, kann man ein Etui kaufen, das speziell für ein Sextoy gedacht ist, oder einen Stoffbeutel beziehungsweise ein Satin- oder Baumwolltäschchen verwenden.
Wenn euch das Aussehen egal ist oder es nur eine Notlösung sein soll, tut es sogar eine saubere Socke! Achtet einfach darauf, Kunststoffe zu vermeiden, die nicht dafür vorgesehen sind: Sie könnten mit dem Sextoy chemisch reagieren und es beschädigen, statt es zu schützen.
Ein Sextoy auswählen: die Stromversorgung
Auch das klingt vielleicht banal, macht auf Dauer aber einen großen Unterschied beim Bedienkomfort.
Batteriebetriebene Sextoys
Batterien sind völlig in Ordnung – vor allem, wenn ihr wiederaufladbare Batterien, ein gutes Ladegerät habt und ohnehin schon eine Menge batteriebetriebener Geräte verwendet. Sonst wird es schnell lästig: Batterien leer, ständig neue einsetzen, jede Menge leere Batterien zum Wegwerfen und so weiter … Und von der Umwelt reden wir da noch gar nicht!
Der Sexy Bunny 2 von Love to Love, ein batteriebetriebener Rabbit
Wiederaufladbare Sextoys
Wiederaufladbare Sextoys sind unserer Meinung nach die beste Lösung. Kein Kopfzerbrechen mehr wegen der „Batterie-Logistik“.
Achtet beim Kauf eines Sextoys unbedingt darauf! Manche Akkus brauchen lange zum Aufladen, andere halten die Ladung nicht besonders lange. Wenn ihr Lust auf einen Orgasmus habt – jetzt, sofort, auf der Stelle – und feststellt, dass der Vibrator, den ihr benutzen wolltet, keinen Saft mehr hat und ihr erst noch ein oder zwei Stunden warten müsst, bis ihr ihn verwenden könnt, ist das frustrierend!
In dieser Hinsicht gibt es von Marke zu Marke große Unterschiede. Und die erkennt man nicht unbedingt auf den ersten Blick.
Noch ein Detail: Eines Tages ist der Akku hinüber und damit auch das Sextoy. Normalerweise dauert es aber mindestens zwei Jahre, bis er langsam schlappmacht. Das ist bei Akkus nun mal so. Kurz gesagt: Wenn ihr 100 € in ein Sextoy investiert und es drei oder vier Jahre hält, ist das doch schon ganz ordentlich, oder? Auf jeden Fall günstiger als ein 400-€-Hightech-Gadget, das alle zwei Jahre ersetzt wird … (Wer hat da iPhone gesagt?)
Der We Vibe 4 mit Ladegerät
Kabelgebundene Sextoys
Viele ultrastarke Vibratoren werden an die Steckdose angeschlossen.
Zu den Nachteilen dieser Stromversorgung gehört, dass man in der Nähe einer Steckdose bleiben muss. Das Gerät lässt sich dadurch schlecht mitnehmen, bei einem kurzen Kabel ist die Bewegungsfreiheit eingeschränkt, und man muss darauf achten, dass kein Wasser in der Nähe ist.
Der unbestreitbare Vorteil: Abgesehen von einem Stromausfall macht ein kabelgebundener Vibrator niemals schlapp. Außerdem gehören diese Vibratoren oft zu den leistungsstärksten.
Die Fairy Black Exceed und Turbo, zwei leistungsstarke klitorale Vibratoren mit Netzanschluss
Und dann gibt es natürlich noch alle nicht vibrierenden Sextoys. Ich erspare euch überflüssige Erklärungen, möchte sie aber trotzdem nicht unerwähnt lassen. Manchmal vergessen wir sie, dabei gehen Vibrationen nicht immer mit einem guten Sextoy Hand in Hand.










